Gute Preise, schlechte Bedingungen

Die angeblichen Hilferufe auf Textiletiketten der Billigmodemarke Primark haben die Debatte um soziale Verantwortung und Konsumverhalten neu entfacht. Mehr als unter schlechten Bedingungen produzierte Kleidung könne man sich eben nicht leisten, so das vielgehörte Argument der Primark-Kunden. Doch auch Textilunternehmen ohne billig-Image stehen regelmäßig aufgrund ihrer Produktionsbedingungen in der Kritik.

Hauptsache billig. Dass die Kleidung meist nicht lange hält, spielt für die Kunden offenbar keine Rolle
Billige Kleidung, die nicht lange hält. Gekauft wird trotzdem.

Warum kaufen Leute bei Primark? Aus demselben Grund, warum man von schlechten Arbeitsbedingungen für die Arbeiter ausgehen muss: der niedrige Preis. Die Billigware von Primark hält genau das, was man zu diesen Kosten erwarten kann, nämlich nichts. Viele Kunden berichten von schlecht verarbeiteten Klamotten, die schnell ausleihern und nur wenige Waschgänge überleben. Dass der gekaufte 5-Euro-Artikel also nach kurzer Zeit entsorgt wird oder im besten Fall als Putzlumpen endet, führt das Preisargument der Kunden ad absurdum.

Große Marken- und Preisvielfalt bei ähnlichen Produktionsbedingungen
Primark schiebt die Forderung nach menschenwürdigen Produktionsbedingungen, gerechten Löhnen und mehr sozialer Verantwortung einfach an die Zwischenhändler und Näherinnen selbst ab. Dem Unternehmen selbst seien die Hände gebunden, sie hätten aber „nichts gegen höhere Löhne“.  Und über ein Jahr nach dem Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch mit über 1100 Toten ist kein verändertes Konsumverhalten der Kunden zu verzeichnen. Das Problem scheint auch: Nur weil Verbraucher anstelle von Primark zu vergleichsweise teureren Marken greifen, ist das noch kein Garant für fair produzierte Kleidung.

Angesichts der großen Marken- und Preisvielfalt, die vermutlich unter ähnlich desolate Produktionsbedingungen hergestellt werden, ist eine resignierte Haltung der Verbraucher kaum verwunderlich.

Debatte um Konsumverhalten angestoßen
Unabhängig davon, ob sich die eingenähten Hilferufe in den Etiketten der Primark-Klamotten als echt erweisen, sie haben einen Dienst erwiesen: Über ein Jahr nach Rana Plaza redet man wieder über die Produktionsbedingungen. Vielleicht entscheiden sich einige, ihr Konsumverhalten zugunsten derer zu ändern, die nicht wählen können, unter welchen Bedingungen sie arbeiten müssen.

Alternativen gibt es. Wir müssen sie nur nutzen.