Tag 7 als Veganer: Familientreffen

Daheim vegan zu kochen hat sich in der ersten Woche als äußerst unkompliziert erwiesen. Aber wie ist das, wenn man bei der Familie zu Besuch ist und dort eigentlich niemand vegan is(s)t? Von veganen Kuchen, einer coolen Oma und einem Famlienausflug der etwas anderen Art.


Das Vegan-Projekt wurde aus zwei Gründen auf den Februar gelegt. Zum einen – so die Überlegung im Vorfeld – muss man „nur“ 28 Tage als Veganer hinter sich bringen. Zum anderen stehen im Februar vergleichsweise wenig Geburtstage, Feiern oder ähnliches an.

Plötzlich ein Veganer in der Familie

Zum Nachfeiern war aber dieses Wochenende ein Familienbesuch angesagt. Ich hatte bereits vor zwei Wochen darüber informiert, dass ich zu diesem Zeitpunkt vegan essen würde. Extra Aufwand beim Kochen sollten sie aber deswegen nicht betreiben, mit Kartoffeln und Gemüse o. ä. wäre es absolut getan.

Bei manchen Veganern ist die Erwartungshaltung, auf die vegane Ernährungsweise Rücksicht zu nehmen, sehr ausgeprägt – was es für unvegane Gastgeber unter Umständen sehr kompliziert und auch kostspielig machen kann.

Meine erste vegane Backerfahrung im Jahr 2013: Vegane Nougat-Torte
Meine erste vegane Backerfahrung im Jahr 2013: Vegane Nougat-Torte

Umso erstaunlicher war die Ankündigung, dass es veganes Essen geben würde – da sich außer mir (für einen Monat) in der Familie niemand so ernährt. Von meiner Großmutter konnte ich nicht einmal sagen, ob sie schon einmal etwas von veganer Ernährung gehört hatte und wie sie dazu stehen würde.

Ich wollte aber auch nicht mit leeren Händen bei der Familie aufkreuzen und weil nicht explizit von einem (veganen) Dessert gesprochen werde, war das eine gute Gelegenheit, veganes Backen auszuprobieren.

Vor ein paar Jahren hatte ich schon einmal für einen veganen Freund eine Torte gebacken. Danach waren die Maßstäbe für Freundschaft nach meinem Empfinden neu gesetzt.

Die Herstellung der vegane Torte war als nicht-Veganerin, die sich bis dahin auch null mit dem Thema befasst hatte, unfassbar kompliziert. Das Ergebnis war aber ganz präsentabel und essbar.


Vegan backen: Schokoladenkuchen

Um es diesmal etwas einfacher zu gestalten, fiel die Wahl auf einen normalen Schokoladenkuchen.

Schokoladenkuchen ohne tierischen Inhaltsstoffe
Veganer Schokoladenkuchen

Der Teig war nach dem Mischen der Zutaten noch recht fest, weswegen ich etwas mehr Reismilch hinzugefügt habe. Schließlich glich die Konsistenz des Teigs dem eines „normalen“ Teigs, zum Beispiel von Marmorkuchen. Nach gut einer Stunde im Ofen machte ich eine Stäbchenprobe. Da der Teig innen noch etwas feucht zu sein schien, blieb er fünf Minuten länger im Ofen. Danach kam das Stäbchen „clean“ aus dem Teig.

Nachdem der vegane Kuchen abgekühlt war, lies er sich problemlos aus der Form lösen. Kein Bröseln, kein gebrochener Teig – was ich angesichts der fehlenden Butter und Eier möglicherweise erwartet hätte. Zartbitterschokolade drüber – fertig. Im Vergleich zu der oben genannten Torte ein Kinderspiel.

Schokoladenkuchen in veganer Ausführung
Sehr lecker: Der vegane Zartbitterschokoladen-Guss

Dem Kuchen fehlte es geschmacklich tatsächlich an nichts. An Flüssigkeit hatte ich neben dem Öl Soja- und Reismilch dazugegeben. Beides war durch den intensiven Schokoladengeschmack aber nicht mehr auszumachen. Auch war er nicht zu trocken – was bei Rührkuchen auch mit Ei und Butter schnell passieren kann.

Lediglich die Konsistenz verriet dann doch das Fehlen der tierischen Produkte. Im Gegensatz zu „normalem“ Schokoladenkuchen war die vegane Variante vom Teig her recht „kompakt“ und nicht so fluffig. Vielleicht hätten noch mehr Öl oder Flüssigkeit dem Abhilfe schaffen können. Aber bestimmt ergibt sich in den nächsten drei veganen Wochen eine neue Gelegenheit zum Backen.


Die Familie kocht und isst (fast) vegan

Veganer Schoko-Kuchen
Sogar die Oma trank eine heiße vegane Schokolade mit

Das Gesprächsthema beim Familienbesuch war schnell gesetzt: Nach ein paar Minuten ging es um Ernährung.

Nachdem ich meiner Oma das Prinzip erklärt hatte, meinte sie: „Man muss eben alles mal ausprobieren!“ Treffender hätte ich das Vegan-Projekt auch nicht beschreiben können. Sie trank sogar eine vegane Kakao-Soja-Milch mit mir, die extra besorgt worden war. Auch meine Oma fand es sehr lecker und pflichtete bei, dass es ohne Milch geht.

Nach Kaffee und Kuchen erwähnte ich nebenbei, dass es bislang nicht gelungen war, Hefeflocken und Grünkern in den „normalen“ Läden ausfindig zu machen. Statt eines ausgedehnten Tagesausfluges oder Spaziergangs ging es dann mit Sack und Pack in: den örtlichen Bioladen.

Während im Bioladen das für einen Monat vegane Herz aufging, weinte das erste Mal während des Vegan-Projekts der Geldbeutel. Das Sortiment an veganen Ersatzprodukten wie Wurst und Käse ist unglaublich. Und unglaublich teuer. Artikel dazu folgt.

Veganes Familienessen: Soja-Bolognese und veganer Braten

Vegane Bolognese mit Nuss-Braten
Die Familie legte sich mächtig ins Zeug: Vegane Bolognese und Nuss-Braten

Zum Abendessen gab es Nudeln mit Soja-Bolognese-Soße. Sie schmeckte fantastisch, das Hackfleisch wurde in keiner Minute vermisst. Die restlichen Familienmitglieder aßen dazu Cordon-Bleu – also Käse mit Fleisch in Fleisch. Etwas Unveganeres lässt sich so schnell wahrscheinlich nicht wieder finden.

Als vegane Alternative dazu gab es einen Nuss-Braten – in Kombination mit der Soja-Tomatensoße und den Nudeln so gut und sättigend, dass ich nicht einmal neidisch auf das Vanille-Eis-Dessert der anderen im Anschluss war.

An dieser Stelle ein fettes Danke an meine Familie, die sich mit dem Kochen und Rezeptvorschlägen so ins Zeug gelegt hat!