Woran erkennt man gutes Fleisch?

Woran erkennt man gutes Fleisch? Das fragt Lidl in einer neuen Werbekampagne. Die Antwort von Lidl: Gutes Fleisch erkennt man am guten Preis. Und der Preis ist niedrig. Aber wie gut kann billiges Fleisch eigentlich sein und lohnt sich Lidl wirklich? 


Gute Fleisch erkennt man …

laut Lidl

  • am sorgfältig ausgewähltem Sortiment
  • an der kontrollierten Herkunft
  • an der täglich frischen Anlieferung
  • an umfassenden Qualitätsprüfungen
  • am guten Geschmack
  • und am guten Preis

Der aus qualitativer Sicht interessanteste Aspekt ist wahrscheinlich der der Herkunft. Mit tieferen Hintergrundinformationen zur genauen Herkunft oder Haltung von Rindern, Schweinen oder Puten bleibt der Verbraucher aber weitestgehend verschont.

Das Kriterium für gutes Fleisch bei Lidl: Elterntiere, Brüterei, Mast, Futtermühlen und Schlachtereien sind aus Deutschland. Das sagt nur nicht viel aus, da es in Deutschland viele Massentierhaltungsbetriebe gibt. Zwar müssen auch die gewisse Standards erfüllen, regelmäßig kommt aber ans Licht, das diese nicht überall eingehalten werden und in den Anlagen katastrophale Zustände herrschen.

Kritik am „guten Fleisch“ von Lidl

Aufgrund der schwammigen Qualitätskriterien von Lidl für Fleisch, Brot, Wein und andere Lebensmittel kritisiert die Vereinigung Slow Food die neue Werbeoffensive des Discounters und fordert ihn auf, die Kampagne einzustellen. Die „Attacken gegen gutes Handwerk und die Vernebelung des Qualitätsbegriffs“ seien „nicht hinnehmbar„:

Unter dem Motto „Woran erkennt man eigentlich gute Qualität?“ wirbt Lidl für sein Angebot an Brot, Fleisch, Obst & Gemüse, Kaffee, Wein und anderes mehr. Das ist sein gutes Recht. Dass Lidl dabei aber das Metzger- und Bäcker-Handwerk attackiert und den Qualitätsbegriff in höchst eigenwilliger Interpretation missbraucht, kann in diesem Ausmaß nicht hingenommen werden. […] Qualität? Mit Fleisch aus der Massentierhaltung zu Preisen, die sich mit einer vernünftigen, artgerechten Tierhaltung nicht vereinbaren lassen?“.

Gutes Fleisch von Lidl?

Die Eigenmarke von Lidl für Fleisch hört auf den klanghaften Namen „Landjunker“. Zusammen mit grünem Logo und dem Slogan „Deutsches Qualitätsgeflügel“ klingt das für den geneigten Verbraucher nicht schlecht. Ein Blick ins Impressum zeigt, welcher Konzern hinter Landjunker steht: GEKA frisch + frost Handels GmbH & Co. KG. Gehört hat man von GEKA nicht unbedingt. Aufgezogen wird das Geflügel von GEKA in Bodenhaltung – auch wenn das Bild auf der Website zumindest bei den Elterntierherden etwas anderes suggeriert. GEKA gehört als Unternehmensgruppe zum größten Geflügelzüchter Deutschlands, der PHW-Gruppe. Und zu dieser gehört wiederum beispielsweise auch Wiesenhof, eine der beliebtesten Wurst- und Fleischmarken in Deutschland. Wiesenhof stand schon mehrfach in der Kritik aufgrund der Produktionsbedingungen für Mensch, Tier und Umwelt. Der Trend zur artgerechten Haltung wurde allerdings erkannt, auf der Webseite von Lidl-Hähnchen wird mit einem Konzept für Tierschutz geworben.

Was ist überhaupt gutes Fleisch?

Das Fleisch von Lidl und Co. ist nicht schlecht. Es sieht dank der mit Sauerstoff angereicherten Verpackung rosa-rosig aus und es schmeckt – aber das trifft auf so ziemlich jedes Fleisch in jedem Supermarkt oder Discounter in Deutschland zu. Ein wirkliches Qualitätsmerkmal für gutes Fleisch lässt sich aus den Schlagwörtern aus der Lidl-Kampagne nicht ableiten. Ausgehend davon, dass wirklich gutes Fleisch von Tieren aus guter Haltung stammt – denn das wirkt sich auf die Beschaffenheit des Fleisches aus – stellt sich die Frage: Kann Lidl gutes Fleisch zu so günstigen Preisen anbieten?

Wie günstig kann gutes Fleisch sein?

Die Welt beantwortet in diesem Artikel die wichtigsten Fragen zur artgerechten Haltung und schließt: Fleisch aus artgerechter Haltung ist meist nicht zu Tiefstpreisen zu haben. Denn dabei bleiben Tiere, die Fleischerzeuger oder die Umwelt auf der Strecke.

Bio-Fleisch lohnt sich – auch aufgrund der Qualität

Wer gutes Fleisch möchte, der sei mit Bio-Fleisch gut beraten. Damit tut man nicht nur den Tieren etwas Gutes, sondern auch sich selbst: Das Tier hatte mehr Zeit zum Wachsen ohne Zugabe von Kraftfutter und ausreichend Bewegung, was sich beim Muskelfleisch bemerkbar macht. Hinzu kommt der Verzicht auf prophylaktische Medikamentengabe. Bei strengen Bio-Siegeln ist garantiert, dass es kurze Transportwege zum Schlachter gibt. Das bedeutet weniger Stress für die Tiere, was sich wiederum positiv auf die Qualität des Fleisches auswirkt.

Auf Siegel achten oder direkt beim Erzeuger kaufen

Das EU-Siegel oder auch das Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung hat keine sehr hohen Vorgaben – die Tierhaltung ist beispielsweise nicht vorgeschrieben. Bio-Fleisch ist es trotzdem. Wer auf Nummer sicher gehen will, holt Fleisch, das mit demeter-, Naturland- oder Bioland-Siegeln ausgestattet ist. Die stehen für artgerechte Haltung und Transport.

Woran erkennt man nun wirklich gutes Fleisch?

Folgender Beitrag räumt noch mit ein paar herkömmlichen Kriterien auf, woran man gutes Fleisch erkennt, wie beispielsweise mageres Fleisch oder die Farbe, und gibt Tipps, worauf beim Fleischkauf zu achten ist.