5 Fakten über Palmöl

Ein Landesgrenzen überschreitender Aufschrei ging durch die westlichen Nationen, als die französische Umweltministerin Ségolène Royal zum Boykott von Nutella aufrief. Der Grund: Der Schoko-Nuss-Aufstrich enthält Palmöl. Ein Glück gab es recht schnell Entwarnung: Nutella gehöre in der Palmöl-Frage zu den Guten. Aber wie gut kann Palmöl sein? Und kann man es beim Einkauf überhaupt vermeiden?


Palmöl in Kosmetik

Palmöl schadet Menschen, Tieren und der Umwelt

Jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl. Also sollte das so schlimm doch nicht sein. Leider doch. Denn Palmöl wird aus der Ölpalme gewonnen, daher – so meine tollkühne Vermutung – wohl auch der Name. Diese Ölpalme ist im Regenwald zu finden. Und dieser ist nicht gerade dafür bekannt, dass besonders schonend mit ihm und seinen Bewohnern, egal ob Mensch oder Tier, umgegangen wird. Umso problematischer, dass die Ölpalme Lieferant für das beliebteste Öl ist. Beim Kauf von palmölhaltigen Lebensmitteln und Kosmetika entscheiden wir also mit über das Artensterben von Orang-Utans oder Tigern und die Auswirkungen der Regenwaldrodung auf den Klimawandel. Aber lässt sich der Kauf von Palmöl so einfach vermeiden?


Lebensmittel, Kosmetik- und Waschmittel – Palmöl ist fast überall

Bei einem kurzen Streifzug durch die Wohnung wird man schnell fündig. Dass Palmöl in Nutella steckt, ist nach dem Boykott-Aufruf der französischen Umweltministerin bekannt. Bei einem Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe von Cremes, Gesichtsmasken und Rasierschaum lässt sich das enthaltene Palmöl allerdings nicht sofort ausmachen. Aber dazu gleich mehr. Das Öl findet sich weiterhin in Tütensuppen, Fertigpizzen, Schokoriegeln, Eis, Keksen, Magarine, Seife, Lippenbalsams, Shampoos, Waschmittel und vielem mehr.


Palmöl in Produkten erkennen ist schwierig

Das Ausmachen von Palmöl in Produkten wird schon dadurch erschwert, dass viele Hersteller bei den Inhaltststoffen nicht das Wort „Palmöl“ verwenden, sondern wahre Zugenbrecher gebrauchen, wie zum Beispiel Capric Triglyceride, Isopropyl Octyl Palmitate oder einfach ganz allgemein Pflanzenöl.

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Eine Übersicht gibt die Seite umweltblick.de. Bei der Liste an Begriffen für Stoffe, die aus der Ölpalme gewonnen werden, wird deutlich, dass es eigentlich unmöglich ist, sich alle Bezeichnungen für Palmöl zu merken – wenn man nicht gerade eine ausgeprägte Affinität zum Auswendiglernen komplizierter Begriffe hat.


Nachhaltiges Palmöl gibt es – ist aber nicht garantiert

Wer nicht auf Palmöl verzichten möchte, kann sich informieren, welche Unternehmen beim Runden Tisch für Palmöl, dem Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), dabei sind. Mitglieder des RSPO sind namenhafte Großunternehmen, beispielsweise Nestlé, Ferrero – die Nutella herstellen, Lidl, Aldi Nord und Süd, Edeka, Rewe, Kaufland, Ritter Sport und viele mehr. Das ist allerdings leider noch kein Grund zum Jubeln, denn die Nachfrage nach Palmöl ist ungebrochen hoch und die Standards des runden Tisches sind niedrig, so Kritiker. So würde lediglich ein Mindestmaß an Naturschutz und Menschenrechte auf den Plantagen festgelegt und diese würden zudem kaum eingehalten. Mit dem RSPO sei aber gerade in Schwellenländern wie Indonesien und Malaysia ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan, so der Gründer des Runden Tisches für Palmöl, der WWF.

Laut Greenpeace könne aber derzeit keine Firma garantieren, dass das eingesetzte Palmöl aus umweltverträglicher Produktion stammt – was beispielsweise auch die Drogeriemarktkette dm im Jahr 2012 einräumte: „Wir wollen nur mit zertifizierten Produkten arbeiten, weil grundsätzlich nichts gegen den Anbau von Ölpalmen zu sagen ist, wir können aber heute nicht sicher sagen, dass alle verwendeten Palmöle unter zertifizierungswürdigen Bedingungen produziert sind.“

Nachhaltiges Palmöl von zertifizierten Plantagen scheint also eine gute Sache zu sein, ist aber momentan nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – wie in so vielen anderen Fällen auch.


Palmöl vermeiden ist schwierig – aber nicht unmöglich

Konsequent auf Palmöl zu verzichten scheint also nicht einfach. Verschiedene Umweltorganisationen empfehlen, die Zutatenliste zu studieren, direkt beim Hersteller nachzufragen und diesen gegebenenfalls aufzufordern, seine Produkte ohne Palmöl herzustellen. Im Internet gibt es Listen mit Produkten ohne Palmöl, so zum Beispiel auch auf umweltblick.de

Eine digitale Hilfestellung bei der Einschränkung oder Vermeidung von palmölhaltigen Produkten bietet die Website „Codechek„. Sie bewertet Produkte anhand eines Diagramms, das je nach Inhaltsstoffen anteilig in „empfehlenswert“, „weniger empfehlenswert“, „eingeschränkt empfehlenswert“ oder „nicht empfehlenswert“ eingestuft wird. Außerdem erfährt man, ob das Produkt möglicherweise Palmöl enthält. Durch die differenzierte grafische Darstellung, kann man so selbst entscheiden, ob man das Produkt für ethisch / ökologisch vertretbar hält, oder nicht. Und falls nicht, werden einem Alternativen angezeigt. Codecke gibt es auch als App.

Wer wirklich sicher gehen will, dass er kein Palmöl verwendet, greift zum Selbstgemachten: veganer Käse oder Hautcreme lassen sich auch mit wenig Aufwand selbst herstellen – ganz ohne Palmöl.