Wie viele Produkte, die an Tieren getestet wurden, hast du?

Die App „Wer macht was?“ kennzeichnet Produkte, die an Tieren getestet wurden, sowie Firmen, die Tierversuche durchführen – und macht auf Alternativen aufmerksam.


Der Verbraucher hat die Macht: Nach diesem Motto hat es sich die Kampagne „Animals‘ Liberty“ zur Aufgabe gesetzt, mit einer Online-Datenbank und der AppWer macht was?“ über Unternehmen, die Tierversuche durchführen, aufzuklären und Transparenz zu schaffen. Dazu zählt auch, alternative Produkte von Unternehmen ohne Tierversuche vorzuschlagen, sodass ein Boykott weniger schwerfallen sollte.

Zeit also für einen Streifzug durch die Wohnung mit der Animals‘ Liberty-App. Bislang hatte ich beim Einkaufen nicht sonderlich darauf geachtet, ob für die Produkte oder von deren Herstellern Tierversuche durchgeführt wurden. Überprüft wurden alltägliche Produkte aus den Bereichen Lebensmittel, Haushaltsreiniger und Kosmetik.

Da der Artikel sehr lang geworden ist, gibt es hier eine schnelle Übersicht, in der aufgelistet ist, welche Produkte in Verbindung mit Tierversuchen stehen, und welche Produkte ohne Tierversuche auskommen:

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Die App
Die App weist den Produkten einer der vier Kategorien zu – von tierversuchsfrei und vegan bis Boykott

Die Produkte werden in der App „Wer macht was?“ einem von vier Labels zugeordnet: Grün, Gelb, Rot oder Schwarz.

  • Grüne Produkte sind tierversuchsfrei und sogar vegan.
  • Gelbe Produkte wurden nicht an Tieren getestet, enthalten aber tierische Inhaltsstoffe.
  • Rote Produkte werden – aus welchen Gründen auch immer – an Tieren getestet. Es werden offenbar auch Produkte als rot gekennzeichnet, wenn das Unternehmen Tierversuche durchführt, auch wenn das konkrete Produkt oder die Inhaltsstoffe nicht an Tieren getestet wurden. Ebenso werden Unternehmen mit dem roten Label abgestraft, die Tierversuche dann durchführen, wenn es von der Gesetzgebung gefordert wird.
  • Das schwarze Label bekommen Unternehmen, bei denen aufgrund von nicht eindeutiger Rechercheergebnisse oder fehlender Auskunft seitens der Unternehmen Tierquälerei, also auch Tierversuche, nicht ausgeschlossen werden kann.

Also strenge Kriterien für die Unternehmen und deren Produkte, aber vom Prinzip eine gute Sache, da man kaum alle Hersteller und Marken und deren Produktionsbedingungen auswendig im Kopf haben kann.


Lebensmittel und Tierversuche?

Was Lebensmittel mit Tierversuchen zu tun haben sollen? Das war mir auch nicht klar. Damit aber ein Inhaltsstoff eines Lebensmittels als gesundheitlich unbedenklich eingestuft wird, muss dieser getestet werden. Dafür müssen dann wieder Tiere herhalten, da dies vom Gesetzgeber gefordert wird.

Wer mit Tierversuchen in Verbindung steht: Die Liste ist ewig lang und kann in der Datenbank von Animals‘ Liberty oder in der App eingesehen werden. Namenhafte Hersteller, die Tierversuche durchführen, sind: Nestlé, Unilever, Danone und die Coca-Cola-Company. In der Wohnung musste auch nicht lange gesucht werden: Eine Fanta konnte gleich als erstes Negativbeispiel für ein Produkt, dessen Hersteller Tierversuche nicht ausschließt, herhalten.

Fatal: Bei vielen Produkten, wie beispielsweise dem Wasser „Volvic“ oder dem „Magnum„-Eis, weiß der Verbraucher oft nicht, dass Multi-Konzerne wie Danone, Unilever oder Nestlé dahinter stecken. Da diese Tierversuche nicht ausschließen, fallen deren Produkte in der App automatisch unter die rote Kategorie – und das sind nicht gerade wenige.

Kurios: Da das Unternehmen Mars Incorporated auch Tierfutter, beispielsweise Kitekat, herstellt, gehört auch das auf die Boykott-Liste.

Angaben zum Thema Tierversuche: Warum beispielsweise Fanta, die von Coca-Cola hergestellt wird, Tierversuche benötigt, wird hier geklärt:

„Wir sind darauf angewiesen, dass Dritte und Forschungsinstitute die Sicherheit der Inhaltsstoffe und der Verpackungen, die wir für unsere Getränke benutzen, überprüfen. Wir ermutigen unsere Rohstoff- und Verpackungslieferanten und die unabhängigen Forschungsinstitute dazu, Alternativen zu Tierversuchen anzuwenden, wann immer diese vorhanden und ausreichend für die Sicherheitsprüfungen sind.“ (Quelle: Animals‘ Liberty)

Produkte und Hersteller ohne Tierversuche: Ohne Tierversuche kommen Unternehmen wie beispielsweise Ferrero, Alnatura, Schwartauer Werke, Red Bull, Granini oder Coppenrath & Wiese aus. Im Bereich Tierfutter gibt es statt Kitekat MultiFit.


Wohnen

Auch bei den alltäglichen Reinigungsmitteln ist Vorsicht geboten.

Wer mit Tierversuchen in Verbindung steht: In der Wohnung fiel Febreze negativ auf. Febreze wird von der Firma Procter & Gamble produziert, ein großer Konsumgüter Konzern, zu dem beispielsweise auch Produkte wie Ariel, Meister Proper, Pampers, Head & Shoulders und Dolce & Gabbana Cosmetics gehören.

Raumspray Febreze: Laut der App nicht unbedenklich aufgrund von Tierversuchen des Herstellers
Febreze gehört zum Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble. Tierversuche werden nicht ausgeschlossen

Angaben zum Thema Tierversuche: Die Firma Procter & Gamble erklärt, warum es Tierversuche durchführt:

„Manchmal müssen wir, um die Sicherheit und die Effektivität unserer Produkte gewährleisten zu können, Versuche an Tieren durchführen.“ (Quelle: Animals‘ Liberty)

Produkte und Hersteller ohne Tierversuche: Unbedenklich in Bezug auf Tierversuche sind die Marken wie Frosch, Astonish, Sonett, Denk mit (auch Lufterfrischer) und KLAR Reiniger.

tierversuche-spuelmitte-app


Kosmetik und Tierversuche

Auch wenn ich mich bisher nicht übermäßig mit dem Thema Tierversuche befasst habe, war ich darauf vorbereitet, bei den Kosmetika recht schnell fündig zu werden. Und tatsächlich: Gleich mehrere meiner Kosmetikprodukte stehen auf der roten Liste.

Lidschatten von Maybelline und Misslyn

Wer mit Tierversuchen in Verbindung steht:  Meine Lidschatten von der Marke Maybelline New York und Misslyn führen bedingt Tierversuche durch.

Lidschatten-Packungen von Maybelline und Misslyn, die an Tieren getestet wurden
Kommt nicht mehr in die Tüte oder auf die Augen: Lidschatten von Maybelline und Misslyn. Beide Unternehmen können Tierversuche nicht ausschließen

Angaben zum Thema Tierversuche: Von Maybelline, das von der Firma L’Oréal hergestellt wird, gibt es diese Stellungnahme zum Thema Tierversuche in Kosmetik:

„Die (L’Oréal) Gruppe führt nirgendwo auf der Welt mehr Tierversuche durch oder gibt diese bei Dritten in Auftrag. Ausnahmen können vorkommen, wenn Behörden diese aus Gründen der Sicherheit fordern ().“ (Quelle: http.//www.loreal.com)* *(zitiert von Animals‘ Liberty)

Von Misslyn, Hersteller ARTDECO cosmetics, steht folgendes Statement zum Thema Tierversuche in der App:

„Rohstoffe, die vor dieser Zeit (März 2011) für Kosmetika entwickelt wurden, sind nicht notwendigerweise getestet worden. Einige davon wurden jedoch mit in-vivo-Untersuchungen (Versuche am Tier) getestet.“ (Quelle: Animals Liberty)

Produkte und Hersteller ohne Tierversuche: Hersteller, die im Gegensatz zu Maybelline New York und Misslyn keine Tierversuche durchführen, sind beispielsweise p2 cosmetics, SANTE, cd, LOGONA, Balea und LUSH, die nach Aufbrauch des jetzigen Lidschattens mal näher unter die Lupe genommen werden.

Make up von der dm-Marke p2 kommt ohne Tierversuche aus
Immerhin: p2-Kosmetik ist frei von Tierversuchen

Immerhin ist meine Make-up-Reihe gerettet, da die dm-Marke p2 mit einem grünen Label ausgestattet ist.

Nichts für feine Nasen: Parfum inklusive Tierversuche

Wer mit Tierversuchen in Verbindung steht: Nachdem ich mich über die Lidschattenhersteller geärgert hatte, kommt schnell der nächste Tiefschlag. Mein heißgeliebtes Parfum von Naomi Campbell ist mit einem roten Label für Tierversuche versehen.

Naomi Campbell Parfum ist an Tieren getestet worden
Das schmerzt: Mein Lieblingsparfum seit 10 Jahren steht auf der roten Liste

Das trifft mich insofern, als dass ich bei Parfum sehr unflexibel bin und sehr lange brauche, bis ich ein Parfum finde, das mir zusagt. Naomi Campbell Parfum hatte ich bis dahin seit 10 Jahren gern benutzt.

Angaben zum Thema Tierversuche: Statement des Unternehmens zum Thema Tierversuche:

„Manchmal müssen wir, um die Sicherheit und die Effektivität unserer Produkte gewährleisten zu können, Versuche an Tieren durchführen.“ (Quelle: Animals‘ Liberty)

Produkte und Hersteller ohne Tierversuche: Parfums ohne Tierversuche gibt es von u.a. Demeter, LA RIVE, Rituals, Lush und Prada. Aufgrund meiner Vorliebe für Naomi Campbell beruhigt der Blick auf die alternativen Hersteller allerdings nur bedingt, da beim Parfum eben nicht primär der Kopf, sondern meine Nase entscheidet.

Beim nächsten Drogeriebesuch wurde also der Riechtest gemacht. Nachdem es viele der genannten alternativen Parfums schon gar nicht in der herkömmlichen Drogerie gab, fand ich doch eine Marke mit grünem Label im Regal: La Rive. Und tatsächlich: Ein Parfum kommt der Duftnote von Naomi Campbell sehr sehr nahe. Zudem kostet es weniger und die Verpackung ist auch noch hübscher. Ich habe es nun bereits seit mehreren Monaten in Gebrauch und vermisse mein altes Parfum überhaupt nicht.

Parfum ohne Tierversuch gibt es beispielsweise von La Rive
Mein neues Parfum ohne Tierversuch

Naturkosmetik gehört zu den Guten – oder?!

Auch wenn man es nach einer U-Bahn-Fahrt nicht meinen möchte: Deo gehört für die meisten Menschen zum täglichen Gebrauchsgegenstand. Bei vielen Herstellern von Deodorants ist bekannt, dass sie Tierversuche durchführen: Nivea, Dove, Rexona oder Axe (Liste mit Firmen, die Tierversuche durchführen).

Hier habe ich bislang gerne zur Naturkosmetikmarke alverde von dm gegriffen. Auch wenn der Begriff „Naturkosmetik“ nicht geschützt ist, haftet dieser ein guter Ruf an. Und da Preis, Geruch und Wirksamkeit stimmten, hielt mich bislang nichts davon ab, diese guten Gewissens zu kaufen. Falsch gedacht.

Wer mit Tierversuchen in Verbindung steht: : alverde Produkte sind mit dem roten Label versehen und stehen daher auf der Boykott-Liste von Animals‘ Liberty. Dabei werden an den Produkten von alverde selbst keine Tierversuche durchgeführt. Warum es trotzdem mit dem roten Label versehen ist? Die Erklärung gibt Aufschluss.

Alverde führt selbst keine Tierversuche durch, steht aber in Verbindung mit Firmen, die Produkte an Tieren testen
Alverde ist eine Naturkosmetik-Marke von dm. Aufgrund der Verbindung zu Konzernen, die Tierversuche durchführen, aber auf der Boykott-Liste von Animals‘ Liberty

Angaben zum Thema Tierversuche:

Für die Produkte von alverde werden keine Tierversuche durchgeführt. Allerdings werden die alverde-Produkte in den Dalli-Werken hergestellt, die noch Tierversuche durchführen. Zudem stehen sie im Zusammenhang mit der Grünenthal GmbH – einem Pharmazeutik- und Forschungsunternehmen, das für die eigenen Produkte ebenfalls noch Tierversuche durchführt. (Quelle: Animals‘ Liberty)

Die Kriterien sind, wie eingangs erwähnt, streng. Auch wenn an dem alverde-Deo oder anderen Produkten der Naturkosmetikmarke nie Tiere getestet wurden, gibt es aufgrund von Verbindungen oder Zugehörigkeiten zu anderen Firmen mit tierquälerischen Praktiken die rote Karte – wortwörtlich.

Produkte und Hersteller ohne Tierversuche: Unter anderem Balea, CD, Dr. Hauschka, Lush, Primavera, SANTE und Lavera.


Fazit

Die Ergebnisse der App in punkto Tierversuche war im Bereich Kosmetik nicht sehr überraschend, bei Lebensmitteln und Reinigern war es interessant zu sehen, welche Unternehmen mit Tierversuchen in Verbindung stehen – oder eben welche auch nicht.

Die App „Wer macht was?“ hilft meiner Meinung nach dabei, einen besseren Überblick zu behalten, welche Produkte man vielleicht doch eher im Regal stehen lässt oder zu welchen Alternativen man greift. Zudem ist die App beim Einkaufen eine gute Entscheidungshilfe, wenn man mal wieder leicht überfordert vor dem Regal mit der ganzen Marken-Vielfalt steht und nicht weiß, welches man nehmen soll.

Etwas gehadert habe ich mit der Frage, wie streng die Kriterien angelegt sein sollen: alverde Produkte nicht mehr zu kaufen, obwohl daran keine Tierversuche durchgeführt werden, erschien im ersten Moment nicht sehr logisch. Aufgrund der Tatsache, dass es aber Produkte von Herstellern gibt, die laut Animals‘ Liberty recht sicher nicht mit Tierversuchen oder tierquälerischen Konzernen in Verbindung gebracht werden können, erschien der Verzicht dann doch wieder leicht.

Allerdings führen viele Konzerne die Tierversuche offenbar deshalb durch, da es gesetzlich vorgeschrieben ist. Beispielsweise im pharmazeutischen Bereich, aber auch wenn es um Inhaltsstoffe für Kosmetik und Lebensmittel geht.

Laut der Vereinigung „Ärzte gegen Tierversuche“ sind allerdings Ergebnisse aus Tierversuchen nicht immer auf den Menschen übertragbar. Sie halten Forschungsmethoden ohne Tierversuche für verlässlicher.

Eine Erkenntnis gab es trotz der vielen Hersteller, die Tierversuche durchführen: Von diesen Herstellern ist kein Produkt auf dem Markt, das unersetzbar wäre. Alternativen ohne Tierversuche gibt es. Warum da also nicht zugreifen?