50 Euro pro Woche zum Leben

Arbeitslosengeld II zu beantragen ist erst einmal ganz schön … Arbeit. Und das Ergebnis extrem ernüchternd.

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Die zunächst übersichtlich wirkenden sechs Seiten stellen nur den Hauptantrag dar. Jede sozialversicherungspflichtige Tätigkeit der letzten fünf Jahre muss nachgewiesen werden, bei vielen Punkten geprüft werden, ob man noch Anlage VE oder doch die Anlage WEP beifügen muss. Wehe dem, der Anträge ausfüllen und Bürokratie nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zählt.

Mein monatlicher Bedarfssatz an Hartz IV würde 404 Euro beantragen – aber nur, wenn ich alleinstehend wäre. Das Einkommen des Partners, mit dem man „in einer Verantwortungs- und Einstehensgemeinschaft („eheähnliche Gemeinschaft“)“ lebt, wird angerechnet. Beantragt ein Paar Hartz IV, liegt der Bedarfssatz für den Partner bei 364 Euro.

Immerhin: Die Regelsätze für das ALG II wurden zum 1. Januar 2016 erhöht. Um 1,25 %. Ein alleinstehender Erwachsener bekommt damit fünf Euro mehr im Monat. It’s something.

Miete, Neben- und Heizkosten würden vom Staat übernommen – sofern die Wohnung als angemessen eingestuft wird. So gelten beispielsweise nach aktuellem Stand für eine Wohnung in Berlin für einen Single mit 50 m² und 317,50 Euro als angemessen. In München dagegen gelten bei 50 m² aufgrund des höheren Quadratmeterpreises 449,21 Euro als angemessen. (Quelle: http://www.hartziv.org/unterkunft-und-heizung.html). Auch in Stuttgart gehört wahrscheinlich Glück dazu, um für diesen Preis eine vernünftige Wohnung zu finden.

Zu Beginn klingen die 404 Euro für mich nach einem Satz, mit dem man leben kann: 100 Euro pro Woche, das ist doch machbar.

Dieser Eindruck wird nach Aufstellung der Fixkosten schnell relativiert:
Strom: 60 Euro
Festnetzanschluss/Internet: 30 Euro
Handykosten (Prepaid): 20 Euro
Fahrkarte: 70 Euro

224 Euro bleiben vom meinem Bedarfssatz übrig – gut 50 Euro pro Woche, nicht einmal 10 Euro pro Tag.

Und sofort fängt das Rechnen an: Festnetzanschluss und die Fahrkarte wären schnell gekündigt. Und … ach ja … bye bye spießbürgerlicher Luxus wie Bausparvertrag und Riester.

Wie geht es mit den 50 Euro pro Woche weiter?

Ganz ehrlich: Drauf bin ich noch nicht eingestellt. Die erste der sieben Hartz-IV-Wochen wird normal weiter konsumiert (ohne Anspruch auf Repräsentativität), dem Bedarfssatz gegenüber gestellt und Einsparpotenzial ausgelotet.

Und irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass die Bedarfsgrenze in der ersten Woche schnell erreicht ist – morgen wird die Biokiste geliefert, die ich schon Tage vor dem Hartz-IV-Experiment bestellt habe …