Konsum ist politisch

Nachdem ich die ersten Wochen das Projekt mit sportlichem Ehrgeiz versucht habe umzusetzen, ist es auf der Zielgeraden vor allem eins: anstrengend und nervig. Vor allem, weil am Einkauf doch viel mehr dran hängt als der bloße Konsum.

12422399_1322385467776675_1355139893_o (3)Im Gegensatz dazu, wie es höchstwahrscheinlich bei einer tatsächlichen Arbeitslosigkeit wäre, ist für mich das Projekt mit Hartz IV bald vorbei.

Während ich in der ersten Woche noch so stolz war, mit zwei statt vier Bananen und günstigem, selbstgebackenem Brot auszukommen, war es in den letzten zwei Wochen überwiegend anstrengend und – um ehrlich zu sein – wirklich nervig. Alles hat nur noch das Label „Geht nicht“, „Kostet zu viel“, „Geht fünfmal überhaupt nicht“.

Normalerweise kaufe ich ja immer gerne Bio- und FairTrade-Produkte. Die Qualität ist für mich ausschlaggebend, und beim Kauf schwingt doch immer noch ein ganz gutes Gefühl mit. Aber die Konsumfreiheit hört ganz schnell auf, wenn man mit Hartz IV auskommen muss, oder es auch nur testweise versucht. Ökologisch und nachhaltig einkaufen ist mit Arbeitslosengeld II vielleicht in Teilen, aber keinesfalls langfristig und umfassend möglich – das wird schon deutlich, wenn man die Kaffeepreise im Discounter mit denen von FairTrade-Anbietern vergleicht.

Durch so etwas simples, wie beim Einkaufen nicht mehr bestimmen zu können, für welche Produkte man sich entscheidet und dadurch auch – und sei es nur im kleinen –  von politischen Entscheidungen ausgeschlossen zu sein sowie die Tatsache, dass man auch im sozialen Umfeld immer wieder an den Punkt kommt, an dem es um Geld geht, ist sehr sehr frustrierend.

Budgettechnisch bin ich bereits nach drei Wochen im Minus angelangt. Meine 2-Zonen-Fahrkarte kostet trotz Bonuscard nicht ganz das doppelte wie im Warenkorb angegeben, und laut meinem Stromanbieter-Rechner übersteigen die monatlichen Kosten für eine Einzelperson ebenfalls den kalkulierten Satz. Die Katzen erweisen sich als (zu) teuren Luxus und dass mein zwei Jahre altes Handy gestern den Geist aufgegeben hat, ist unter „normalen“ Umständen schon unschön – unter Hartz-IV-Gesichtspunkten eine absolute Katastrophe.

Das Budget zu Beginn der letzten Woche mit dem Hartz-IV-Satz:

Nahrung und Getränke (alkoholfrei): 143,42 Euro ⇒ 142,34 Euro
Freizeit, Unterhaltung, Kultur: 44,60 Euro ⇒ 71,25 Euro
Nachrichtenübermittlung: 35,67 Euro ⇒ 35,39 Euro
Bekleidung, Schuhe: 33,94 Euro ⇒ 29,90 Euro
Wohnen, Energie, Wohninstandhaltung: 33,77 Euro ⇒ 42,25 Euro
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände: 30,62 Euro ⇒ 21,72 Euro
andere Waren und Dienstleistungen: 29,57 Euro
Verkehr: 25,45 Euro ⇒ 41,50 Euro
Gesundheitspflege: 17,37 Euro ⇒ 8,29 Euro
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen: 8,00 Euro
Bildung: 1,54 Euro

Summe: 404 Euro ⇒ -26,21 Euro