Super-Vegan-Diät Tag 2: Lustig ist anders

Der zweite Tag endet mit einer Menge Frust – das liegt aber überraschenderweise nicht an fehlender Willensstärke der Vegan-Diät gegenüber oder dass der Hunger zu groß wurde. 

Mach eine Diät, haben sie gesagt. Mit vegan ist das super easy, haben sie gesagt. Mit veganer Ernährung fühlst du dich fitter, haben sie gesagt. Bei der Diät kriegst du trotzdem alles, was dein Körper braucht, haben sie gesagt. Und mit „sie“ meine ich das Vegan-Diät-Buch.

Nach Tag 2 der „Super-Vegan-Diät“, der sich anfühlt wie der Fünfzehnhundertste, kann ich fundiert behaupten: alles Bullshit. Aber der Reihe nach.

800 kcal am Tag

Obwohl ich mit dem Hunger des Todes schlafen gegangen bin – und der Mann mit Kopfschmerzen, was für ihn sehr untypisch ist (doofe Kommentare an der Stelle bitte verkneifen, danke) – war beim Aufwachen alles in Ordnung. Der Mann hatte 1 Kilo weniger auf der Waage, ich 1 Gramm. Soweit so unfair. Aber insgesamt ging es doch recht motiviert in den 2. Tag. Das Frühstück mit Toast, Gurken und Tomaten fühlte sich vom Sättigungsgrad „normal“ und gewohnt an.

Am Morgen rechneten wir uns noch aus, dass gestern jeder 800 kcal zu sich genommen hatte – und wir hatten beim Vollkorntoast großzügig zugelangt. Das klang schon nach nicht arg viel und leider sind im Super-Vegan-Diät-Buch auch keine Kalorienzahlen angegeben. Aber da es ja nur für eine Woche ist, wird es ja wohl ok sein. Dennoch: erste leichte Skepsis.

Kalter Kaffee- und Zuckerentzug

Auf der Arbeit hielten Unmengen von Tee mich von der Kaffeemaschine ab – auch wenn es freilich ein schlechter Ersatz war.

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Ab dem Vormittag bestimmten multiple Schoko-Zucker-Chocochino-Milchkaffee-Entzugserscheinungen in Form von höllischen Kopfschmerzen und Übelkeit den Tag, die sogar die Vorfreude auf die 50 g Salat zum Mittagessen trübten. Bei der Zubereitung des Salates kamen nochmals Zweifel auf, da dazu 3 Cocktailtomaten sowie ein Zitronen-Wasser-Dressing zugestanden wurden. Warum man bei einer Handvoll Salat zusätzlich noch das enthaltene Gemüse so runter reduzieren muss, hat sich mir absolut nicht erschlossen.

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Apropos Mittagessen: zum Salat hätte es gebratene Austernpilze gegeben, wenn diese nicht – wie der Name vermuten lässt – unfassbar eklig ausgesehen, gerochen, sich angefühlt und geschmeckt hätten. Auch wenn ich mich bei veganer Ernährung darauf freue, neue Dinge auszuprobieren, das ging gar nicht! Und führt ernsthaft zur Frage, ob man angesichts der Austernpilze auch zum Ekel-Fleischesser werden kann.

Der Geist ist willig – aber der Körper hat keinen Bock

Entgegen aller Erwartung war Hunger noch nicht das Problem, das die Super-Vegan-Diät in Gefahr gebracht hätte. Aber Kopfschmerzen und Übelkeit hielten sich hartnäckig und meinten im Laufe des Tages auch noch schlimmer werden zu müssen. Auf einen möglichen mentalen Zusammenbruch während der 7-Tage- und meiner ersten Diät überhaupt war ich gefasst. Dass mein Körper mir nach 1 1/2 Tagen deutlich signalisieren würde, was er vom plötzlichen Verzicht auf Milchprodukte, Schokolade, Kaffee und Zucker oder ausreichend Nahrung allgemein hält – darauf nicht.

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Als der Mann mir dann noch zusätzlich an meinen fiebrig-höllisch-schmerzenden Kopf warf, wie blass ich aussehe, fiel das Wort „Abbruch“. Dem Mann geht es nicht ganz so schlecht, aber er fühlt sich auch schlapper und müder als sonst.

Regel-Dehnung statt Abbruch

Da ich generell ein schlechter Verlierer bin und beim Diät-Abbruch wahrscheinlich noch schlechtere Laune hätte, als beim Fortführen dieser Ernährungstortur, werden die Regeln also ein wenig gedehnt. Denn spätestens, wenn man sich nicht mehr wirklich arbeitsfähig fühlt, ist das mit dem Selbstversuch dann doch nicht mehr ganz so lustig. Da wir heute inkl. Abendessen (ein süßer Hirsebrei mit Blaubeeren, sehr lecker!) einen Kalorientagessatz von 750 kcal berechnet hatten, griff ich zu zwei (veganen und zuckerfreien) Snacks: ein Apfel und ein Hafermilch-Kakao-Drink. Danach ging es tatsächlich auch ein Stück weit besser.

Wir machen den Super-Vegan-Diät-Versuch also weiter, halten uns auch an den Ernährungsplan – aber zumindest ich ergänze ihn bei Bedarf durch kleine Zwischenmahlzeiten, die in das Raster vegan und zuckerfrei fallen.