Vom Irrsinn, in Stuttgart eine Wohnung finden zu wollen

So schwer kann es ja wohl nicht sein, eine Wohnung in Stuttgart zu finden? Weit gefehlt.

Irgendwie habe ich den Moment verpasst. Den Moment, in dem Wohnungssuche in Stuttgart zum Kriegsschauplatz wurde.

Als vor gut 10 Jahren klar war, dass ich für die Ausbildung beim Südwestrundfunk nach Stuttgart gehen werde, antwortete ich auf zwei Anzeigen, erhielt zwei Einladungen, besichtigte zwei Wohnungen und erhielt zwei Zusagen. So einfach war das. Mittlerweile hausen auf den damals so einfach erhaltenen 60 Quadratmetern noch der Mann und zwei Katzen.

Möglicherweise mag es an jetzt 10 Jahren voller Anschaffungen und leidenschaftlichem Dekokaufen liegen – aber die Wohnung kam mir irgendwie immer kleiner vor.

Daher – so der einfache Plan – wäre es an der Zeit, sich wohnungstechnisch doch mal ein bisschen zu vergrößern. Klar, Stuttgart ist nicht easy, alles bekannt. Aber hey! Wer, wenn nicht wir, als verheiratetes und extrem sympathisches Paar mit guten Jobs, sollte in der Lage sein, eine annehmbare und etwas größere Wohnung zu finden.

Tjahaaa, wenn es so einfach gewesen wäre.

Hier ein paar Dinge*, die wir aus der gut 2-monatigen Wohnungssuche bei 50 Bewerbungen und sage und schreibe 2 Wohnungsbesichtigungen in und um Stuttgart herum gelernt haben:

*auf die überwiegend horrenden Mietpreisvorstellungen sei hier zur Nervenschonung von Autorin und Lesenden gar nicht erst weiter eingegangen.

Dachgeschosswohnung schlägt DSGVO

Der Schutz von personenbezogenen Daten wird hierzulande groß geschrieben. Spätestens seit dem 25. Mai hat das mit dem Inkrafttreten der DSGVO auch der Letzte mitbekommen.

Arztpraxen, Hoteliers und Websitebetreiber wie Blogger und Kleintierzüchtervereine, die allesamt bekannterweise raffgierig Daten sammeln, sind kräftig am Rödeln mit der Umsetzung zum Schutz der personenbezogenen Daten ihrer Kunden und Besucher. Die dürfen dafür bei der Wohnungssuche einfach mal komplett blank ziehen.

Einkommensnachweise, Arbeitsstelle, Schufa-Auskünfte, Umzugsgrund, Mieter-Zeugnis, Beziehungsstatus, Schuhgröße … Alles muss noch vor der ersten Begegnung offen gelegt werden. Während also alle über Google und Co. schimpfen, dürften Marklerbüros und vermietungswillige Immobilienbesitzer über einen Datenpool verfügen, der Facebook zumindest in Teilen neidisch werden lassen könnte.

Kein Herz für Tiere

Der Wackeldackel im Auto mag ja noch angehen, aber echte Haustiere? Als Besitzer zweier wirklich braver Stubentiger hätten wir in den Bewerbungen wahrscheinlich auch schreiben können, dass wir Krätze, Lepra und die Pocken gleichzeitig haben. Aber vielleicht springt beim Wort „Katzen“ oder „Haustiere“ bei manchen auch einfach das Kopfkino an.

Nachdem am Telefon mehrmals die meist herzliche Ansage auf Schwäbisch „Kadza?! Des macha mir ned!“ kam, fanden wir immerhin eine Anzeige, die Haustiere nicht explizit ausschloss.

Bei der Besichtigung der ersten Wohnung (die uns nebenbei neben höherer Miete und weiterem Weg zu Bahn kaum Vorteile gebracht hätte) sprachen wir das Thema Haustiere beiläufig an. Die Wohnungsbesichtigung wurde daraufhin mit Bedauern abgebrochen und noch kommentiert mit „Wenn Sie rauchen würden, wäre das gar kein Problem. Aber Katzen gehen nicht!“

Fazit: Katzen vor die Tür setzen und ein Raucherproblem entwickeln. Das würde zumindest die Wohnungschancen erhöhen.

It’s a rich mans world

Ja ja, Binnenweisheit. Aber nachdem wir bei der zweiten Wohnungsbesichtigung wohlwissend sämtliche Unterlagen wie Gehaltsabrechnung, Mieterauskunft etc. mitgebracht hatten, diese dankend mit Verweis auf die zweite Bewerberrunde (!) abgelehnt wurden, erhielten wir am nächsten Tag die Nachricht, dass doch schon jemand den Zuschlag erhalten habe; die Interessenten hatten die Kaution halt einfach so passend in Bar dabei gehabt.

Das nächste Mal also einfach mit knapp 3.000 Euro zur Besichtigung gehen und damit dezent bei passenden Gelegenheiten rumwedeln.

Zu guter Letzt: Manchmal ist auch alles gut so, wie es ist

Zugegeben, diese Erkenntnis entspringt der Luxussituation, keinen unmittelbaren Zwang zu haben, umziehen zu müssen. Aber dennoch: die eigenen 60 Quadratmeter werden nach der ernüchternden Erfahrung doch um einiges mehr wertgeschätzt. Daheim ist es dann doch am schönsten.

Und so sparen wir immerhin das dreifache an Miete, was wir für gut 10 Quadratmeter mehr hätten löhnen müssen. Vielleicht können wir dann in ein paar Jahren im trauten Eigenheim eine Katzenfarm aufmachen. Ohne Rauchen. Und vielleicht sogar ohne Kautionsbestechung.