Die Mini-Balkon-Umgestaltung. Oder auch: Der #tinybalcony-Affront

Für viele ist der Balkon ja so eine Art Rückzugsort, ein hashtaghappyplace. Meine eigene Mini-Balkon-Umgestaltung hatte viel mehr mit geplatzten Umzugsplänen, Instagram, einem Affront und einer Heldenreise zu tun.

In diesem Sommer sind mir über Instagram und Pinterest wieder gefühlt 10.000 Balkon-Umgestaltungspostings relativ ungefragt aber dank irgendwelcher Algorithmen ins Gesicht gesprungen. „Algorithmen“ ist übrigens auch so ein Wort, das ich permanent googeln muss, um es richtig zu schreiben [Memo an mich: Idee für neuen Blogpost].

Jetzt war ich zwar nicht auf der Suche nach einem hashtaghappyplace, weil mein happy place is where my smartphone/laptop and a wifi is. Ach so, und wo der Mann ist – natürlich. Ich könnte noch hinzufügen: der dicke und der kleine Kater, aber die lesen ja den Blog nicht.

Zurück zum Thema: Ich hatte berichtet, dass wir noch in unserer kleinen aber feinen Wohnung feststecken, weil der Stuttgarter Wohnungsmarkt mies und asozial ist. Und weil wir relativ schnell keinen Bock mehr hatten, für 10 Quadratmeter das 3-fache an Miete zu zahlen und dann nicht mehr so viele Reisen, z. B. ins wunderschöne Irland, unternehmen zu können.

Das hat dann dazu geführt, dass das Budget für Umzug und Kaution über den Sommer in die ein oder andere Optimierungsmaßnahme in die alte Wohnung geflossen ist. Die anvisierte Kreativität auf einen dann doch nicht stattfindenden Tapetenwechsel wollte dann doch irgendwie genutzt werden.

Unter anderem haben wir in unserer kleinen Küche nach 10 Jahren des von-Hand-spülens (!) nun eine Tischspühlmaschine und ich überlege derzeit, ein Sonnet zu Ehren dieses wundervollen Gerätes zu verfassen.

Aber zurück zum Thema: Dem Beginn der Mission „Mini-Balkon-Umgestaltung“ und damit meiner persönlichen Heldenreise.

Ein Grund, warum der Balkon nie wirklich als hashtaghappyplace gedacht war, ist seine Größe. „Mini“ ist bei dem Balkon wirklich nicht als kleine Untertreibung zu verstehen. Auf irgendwas zwischen 2 und 4 lässt sich dann auch nicht so unfassbar viel herausholen – so die bisherige Annahme.

Daher hat der Balkon im Laufe der Jahre eine etwas wechselvolle Geschichte erfahren. Zumeist war er einfach nur Abstell- und Rumpelkammer. Die dankbarsten Nutzer waren vornehmlich der dicke und der kleine Kater, die sich trotz Gerümpel und leichter Fettleibigkeit von Kater 1 einen Weg auf Tisch/Kratzbaum bahnen konnten.

Umgestaltung eines Mini-Balkons
Bescheidene Versuche, den Balkon (zumindest für Kater 1 und 2) etwas gemütlicher zu gestalten. In der Realität überwiegte jedoch die Nutzung wie auf Bild links zu sehen.

Die Aktion „Balkon-Entrümpelung“ war dann keine ganz einfache Sache. Er hatte eben für alles herhalten müssen, was man nicht brauchte oder wollte, den Weg aber doch nicht in den Müll gefunden hatte. Alles in allem also eine recht unschöne Angelegenheit.

Hier war schnell der Punkt der „Weigerung“ in meiner Heldenreise erreicht. So etwa direkt nach der ersten prüfenden Begehung, die aufgrund der Größe des Mini-Balkons zwei Schritte betrug. „Übernatürliche Hilfe“ eilte mir aber in Form des Mannes zu Hilfe, der sich ebenfalls heldenhaft an der Ekelaufgabe beteiligte.

Der „Weg der Prüfungen“ war dann wohl meine Suche nach Inspiration für die Gestaltung eines #tinybalcony im allwissenden Netz. Was dort als Mini-Balkon durchgeht, ist jedenfalls eine absolute Frechheit. Jeder Balkon, auf den mehr als 2 Leute inklusive Sitzgelegenheit bequem (!) Platz nehmen können, hat diese Bezeichnung schlichtweg nicht verdient. Soviel zum Aufreger und Aufhänger dieses fulminanten Blogartikels. Diese frustrierenden Darstellungen bremsten mich also ein wenig in meiner Heldenreise bei der Mission Mini-Balkon-Umgestaltung.

Aber: Aufgeben ist keine Lösung. Die weiteren Aufzählungen der Heldenreisen-Punkte erspare ich euch und mir jetzt aber, Interessierte können die folgenden Schritte ja selbst übertragen. Irgendwie musste sich ja noch was aus diesen irgendwas zwischen 2 und 4 Quadratmeter in etwas Hübsches umgestalten lassen. Auf Urban-Gardening-Ambitionen muss ich immerhin keine Rücksicht nehmen, da ich das Gegenteil eines grünen Daumens habe und mir bislang fast* alles unter den Fingern wegstarb – was der Platzproblematik dann doch sehr entgegenkam.

*Exkurs: Immerhin habe ich es über den Sommer geschafft – und es ist mein ganzer unendlicher Stolz – eine Minze, einen Basilikum, eine Tomate und eine Paprikapflanze (die nichts anderes macht, als dass ihre Blätter wachsen, aber hey!) überleben zu lassen.

Nun zur ultimativen Mini-Balkon-Lösung:

Eine Sitzbank mit Truhe sorgt nun für den nötigen versteckten Stauraum. Den Tisch und die Bodenplatten hatten wir schon länger – zwei recht einsame Versuche, den Mini-Balkon etwas wohnlicher werden zu lassen – und einem alten Outdoorteppich konnte zu einem zweiten Leben verholfen werden. Alles zusammen kommt nun doch deutlich besser zur Geltung.

mini-balkon-umgestaltung

Die Wand und die Fensterrahmen kann man getrost als ömmelig bezeichnen, aber mit viel Instagram-Filtern und gutem Willen lässt sich das noch als shabby chic verkaufen.

 

Täglich verbringe ich mindestens ein paar Minuten oder abends manchmal auch Stunden hier, sodass ich das Gefühl habe, frische Luft geschnappt zu haben, ohne dafür vor die Tür gehen zu müssen – perfekt! Also tatsächlich ein eigener kleiner happy place, den ich zwar nicht brauchte, ihn nun aber nicht mehr missen möchte.

Und das beste: das WLAN reicht bis auf den Balkon.

P.S.: Der Bespielung des Instagram-Accounts war die Umgestaltung sehr zuträglich.

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#cataproved #neuerbalkon #tinybalcony

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