O du schreckliche … Von der unbesinnlichen Weihnachtszeit

Mal ab gesehen von „Last Christmas“ gibt es noch einige andere Dinge, die an der Vorweihnachtszeit nerven können.

Das alljährliche „Beautyful Mind“ der Weihnachtsfeiertags-Terminkoordination

Jedes Jahr zu Weihnachten wird eine terminliche Hochleistungskoordination erforderlich, die alle Assistenten von Topmanagern vor Neid erblassen lässt. Abstimmungen mit der eigenen Familie (die nicht zwangsweise an einem Ort wohnen muss), die Schwiegerfamilie, die Schwiegerfamilien  der Geschwister – all das hätte das Christkind damals wirklich mitbedenken und uns nicht nur 2, sondern 12 Weihnachtsfeiertage bescheren können.

„Weihnachtsmarkt – das Wacken der Büroangestellten“

Kaum ein Zustand im Kalenderjahr wird so verklärt wie die Vorweinachtszeit mit ihren Weihnachtsmärkten, in der man sich mit 1.000 anderen Menschen nach Feierabend dicht gedrängt die Beine in den Bauch steht, überteuerte dünne Brühe – die so etwas wie heiße Schokolade darstellen soll – trinkt und sich irgendwann zwangsläufig einen abfriert (globale Erwärmung, wo bist du, wenn man dich braucht?).

In der Situation grauselig, nur um sich direkt im Anschluss wieder für das nächste Jahr zu verabreden. Gute alte Festival-Manier eben.

Besinnlich ist maximal die Werbung

Seien wir mal ehrlich: Familientreffen sind einer der größten potenziellen Krisenherde in Bezug auf den verwandtschaftlichen Mikrokosmos. Die Erwartungen an eine besinnliche Weihnachtszeit in trauter Harmonie sind groß, umso immenser gestaltet sich die Fallhöhe. Befeuert wird das seit einigen Jahren durch eine dermaßen hochemotionalisierte Weihnachtswerbung, dass selbst funktionale Familien nur unzureichend der überbordenden Gefühlsausdrucksverleihung und der Bedeutung der Familie mittels Lidl Bouillon und Edeka Pute gerecht werden können. 

Alle Jahre wieder …

Terminkoordinationen, überfüllte Weihnachtsmärkte und dann auch noch der Geschenkekauf, bei dem man es fast nur falsch machen kann, sofern man nicht die Amazon-Wunschliste der Liebsten abarbeitet. Für wen genau der Advent also eine besinnliche Zeit darstellen soll, ist vielleicht eines der größten Rätsel neben dem Verbleib des Bernsteinzimmers. Trotzdem lassen wir uns jedes Jahr wieder darauf ein. Aber der Trubel hat auch etwas Gutes – denn nach der Weihnachtszeit lässt es sich tatsächlich entschleunigter angehen. Und man hat möglicherweise wieder Zeit für etwas Besinnlichkeit.